News 2021

von Ulrike Federl (Kommentare: 1)

Nachruf Wolfgang Kunzendorf

Letzte Woche verstarb unser langjähriges Mitglied Wolfgang Kunzendorf, wohl einer der erfolgreichsten Extrembergsteiger des Landkreises Kelheim. Wolfgang war schon in frühester Jugend sehr sportlich, er begann mit Geräteturnen, Tennis und Skifahren bevor er seine Leidenschaft für Skihochtoren, Klettern und letztendlich fürs Extrembergsteigen entdeckte. Davor stand aber erst seine Ausbildung zum Hochbauingenieur und die Gründung einer Dachdeckerei in Alkofen. 1978 trat er in unsere Sektion ein und zwei Jahre später auch in die Bergwacht Kelheim. In beiden Vereinen engagierte er sich vor allem für den Nachwuchs, sechs Jahre war er als Jungmannschaftsleiter und neun Jahre als Ausbildungsleiter in unserer Alpenvereinssektion tätig und stand uns bis zu seinem Tod als Ehrenrat zur Verfügung. In der Bergwacht fungierte er viele Jahre als Ausbilder für Sommer- und Winterrettung. Seine alpine Kariere begann mit Kletter- und Hochtouren in Ost- und Westalpen. Eine Tour zusammen mit dem Kelheimer Quirin Oellinger zu den Andenbergen in Peru mit Besteigung des 6768 m hohen Huascaran war der Einstieg zum extremen Expeditionsbergsteigen. Ein Auszug aus seinem Tourenbuch zeigt seine Highlights: In Peru den 5957 m hohe Alpamayo, den er als einen seiner schönsten Berge bezeichnete; in Tibet den 8046 m hohe Shisha Pangma und den 8201 m hohe Cho Oyu; in Nepal den 6856 m hohe Ama Dablam; in Alaska den 6194 m hohe McKinley, der als kältester und menschenfeindlichster Berg gilt und dessen Gipfel er erst nach dramatischem Verlauf erreichte. Wie bei vielen solcher Expeditionen hängt das Gelingen von den Witterungsverhältnissen ab, so musste in Pakistan kurz unterhalb des 8047 m hohen Broad Peak Gipfels umgekehrt werden. Besonders bitter für ihn war, dass wetterbedingt auch die Everest Trilogie (Lhotse, Nuptse, Everest) abgebrochen werden musste, ausgerechnet die Tour, die er sich als Höhepunkt seiner Bergsteigerlaufbahn wünschte.

Wolfgang, Du warst bis zum Schluss ein hilfsbereiter, verlässlicher Kamerad, stets mit guter Laune, Humor aber auch mit Nachdenklichkeit. Wir werden Dich vermissen.

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von Ulrike Federl

Nachruf Hans Tomandl

Hans Tomandl hat seine letzte Fahrt angetreten

Es ist erst sieben Monate her, da hatte eine kleine Abordnung des Alpenvereins Kelheim ihrem Ehrenvorsitzenden Hans Tomandl zum 100-sten gratuliert. Putzmunter stand er auf seiner Veranda, nahm die Maske ab, und prostete den Gratulanten zu. Nach Corona wolle er den runden Geburtstag kräftig nachfeiern und die zwei Musikanten versprachen dazu mit der ganzen Kapelle anzurücken. Soweit kann es leider nicht mehr kommen. Am 12. Januar wurde der Bergsteiger Hans zu seiner letzten Bergfahrt abgeholt. Auf ein erfülltes Leben mit schönen, abenteuerlichen, aber auch weniger erfreulichen Phasen konnte er zurückblicken. Manchmal erzählte er von der harten Kindheit, den Kriegserlebnissen und der Gefangenschaft, oft aber von den Anfängen des Kelheimer Alpenvereins, dem Bau der Kelheimer Hütte, der Gründung der Kelheimer Bergwacht, seinen Berg- und Klettertouren oder seinem Einsatz für den Naturschutz. Als Rentner wurden die extremen Berge durch Klettersteige und Fernwanderwege ersetzt und bis zuletzt wanderte er in seiner Ihrlersteiner Heimat täglich noch ein bis zwei Kilometer („mit Stöcken - die Beine wollen nicht mehr so“ gestand er an seinem 100-ten).

Den Alpenverein Kelheim würde es ohne Hans Tomandl nicht geben, dafür danken wir ihm und werden die Erinnerung an ihn in Ehren halten.

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