News Mai 2020

von Werner Hueber

Anlauf Kelheimer Hütte

Liebe Sektionsmitglieder,
 
ab 30.05.2020 können wir den Hüttenbetrieb wieder vorsichtig anlaufen
lassen.
 
Es dürfen 2 Hausstände (z. B. 2 Familien mit max. 10 Personen - oder 2
Paare) 
in der Zeit von Freitag bis Montag auf die Hütte fahren.
Von Dienstag bis Donnerstag steht die Hütte dann leer (zwecks Absterben
evtl. doch vorhandener Viren)

Die allgemeinen Abstands- und Hygienevorschriften sind einzuhalten.

Bitte Waschräume und Schlaflager, nach Familien, getrennt zu nutzen. Die Dusche ist für die nächste Zeit auf alle Fälle gesperrt. Stand per 18.05.2020, weitere Lockerungen werden hier und per Newsletter kommuniziert.

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von Ulrike Federl

Tomandls Geburtstagsgratulation

von Ulrike Federl

100-ter Gebutstag

Der Ehrenvorsitzende der Sektion Kelheim des Deutschen Alpenvereins Hans Tomandl hätte für all seine Verdienste zu seinem 100-sten Geburtstag eine große Feier mit Musik und vielen lustigen Reden verdient, aber wegen Corona können die potentiellen Gäste nur an ihn denken:

An Hans Tomandl als Privatmann: Am 15.05.1920 wurde er in Wettern im Böhmerwald geboren. Der Zweiten Weltkrieg beendete seine unbeschwerte Zeit als Kind und Jugendlicher. Als Bordfunker bei den Stukas war er an verschiedenen Fronten im Einsatz. Krieg und Gefangenschaft hat er gut überstanden, aber die alte Heimat war verloren. In Kelheim fand er ein neues zu Hause und bald auch seine Frau Maria, die er im Herbst 1949 heiratete. Sohn Peter kam sieben Jahre später zur Welt und inzwischen gehören auch Schwiegertochter Ulrike und die Enkel Johannes und Andreas zur Familie. Maria hatte nicht nur den Haushalt geschmissen, sondern hielt ihm für all seine Aktivitäten den Rücken frei, so auch bei Hausbau und Umzug nach Ihrlerstein. Vor knapp 5 Jahren musste er sie, die er mehrere Jahre liebevoll zu Hause gepflegt hatte, zu Grabe tragen. Jetzt bewohnt er das Haus allein, kümmert sich um alles und dreht zweimal am Tag mit Walkingstöcken seine Runde.

An Hans Tomandl im Beruf: Nach dem Krieg hat er bei der Süddeutschen Zellwolle AG als Maschinenschlosser angefangen, hat die Meisterprüfung abgelegt und wurde Leiter der Lehrlingsausbildung. „Streng war er, aber man hat viel gelernt bei Ihm“ sagen noch manche, inzwischen gestandene, Kelheimer Mannsbilder. Bald war sein Wissen auch in der Industrie- und Handelskammer in Regensburg gefragt, er wurde in den Prüfungsausschuss Metall / Elektro berufen, dem er 60 Jahre angehörte. Die Industrie- und Handelskammer hat ihn dafür mit dem goldenen Ehrenring ausgezeichnet und 1990 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Auch in den Kelheimer Stadtrat hatte er sich von 1966 bis zu seinem Umzug 1974 nach Ihrlerstein eingebracht.

An Hans Tomandl, langjährigen Vorsitzenden des Kelheimer Alpenvereins: Sein dienstlicher Vorgesetzter Dr. Jung und er initiierten im September 1951 die Gründungsversammlung der Sektion Kelheim des Deutschen Alpenvereins. Damals, kurz nach dem Krieg, war bei Ausrüstung und Kleidung Improvisieren angesagt. Die Mitglieder der ersten Zeit erzählen von lustigen Fahrten mit einem von der „Zellwolle“ zur Verfügung gestellten Lastkraftwagen über staubige Gebirgsstraßen, von Gipfelbesteigungen in Straßenkleidung und mit normalen Halbschuhen, oft musste eine Aktentasche als provisorischer Rucksack dienen. Der Grenzverkehr nach Österreich war durch Devisenbeschränkung stark behindert, die Transportmöglichkeit in die Berge begrenzt und die finanziellen Mittel gering. Die „Zellwolle“ genehmigte ihm Sonderurlaub für die Ausbildung zum „Lehrwart für Bergsteigen“. Dies war der Beginn vieler Aus- und Fortbildungen in seiner alpinen Laufbahn. Er hat viel auf Sicherheit geachtet und war stets Vorbild im Eis, im Fels und im Schnee. Sein Wissen hat er auf zahlreichen Ausbildungskursen weitergegeben. Das Klettern in den Felsen der Umgebung führte zu der Herausgabe des ersten Kletterführers für das Gebiet Altmühltal und Donaudurchbruch. Auch die erste Kelheimer Ski-Stadtmeisterschaft geht auf seine Initiative zurück. Die Torstangen wurden damals noch von den Teilnehmern selbst den Hang hinaufgetragen und das gesamte Teilnehmerfeld musste die Strecke eintreten (nix Pistenwalze). Bei der Liebe zu Bergen und Natur konnte es nicht ausbleiben, dass er sich auch für den Naturschutz begeisterte, so war es nur eine Frage der Zeit, bis die von ihm geführte Sektion Anfang der 60er Jahre auf Bitten des Landratsamts Kelheim die Überwachung des Naturschutzgebietes Weltenburger Enge übernahm. Manch Kelheimer erinnert sich noch, wie er flotten Schrittes zur langen Wand, zu den Essinger- oder Kastlfelsen marschierte um „seine“ Wanderfalken vor Störungen zu beschützen. Sein unermüdlicher Einsatz für seltene Pflanzen und geschützte Vögel wurde mit der Umweltmedaille des Bayrischen Staatsministerium gewürdigt. Nach 33 Jahren Vorstandschaft gab er die Führung der Sektion ab, um ohne Zeitdruck in die Berge gehen zu können.

An Hans Tomandl als Bergsteiger: Ca. 1400 Gipfel in Europa und Afrika hat er erklommen, ist durch zahlreiche Wände und über Felsgrate geklettert. Der Kelheimer Klettergarten war ihm vertraut wie seine Westentasche. Da er und seine Kameraden auch öfters zu Rettungseinsätzen in der Weltenburger Enge oder an den steilen Abhängen im Altmühltal gerufen wurden, veranlasste er aus der Sektion heraus 1969 die Bergwachtgruppe Kelheim zu gründen, deren Geschicke er die ersten 12 Jahre gelenkt hat. Noch bevor Klettersteige „in“ wurden hat er die ersten durchstiegen und zwischenzeitlich stehen ca. 350 aller Schwierigkeitsgrade in seinem Tourenbuch. Mit zunehmendem Alter hat er die Weitwanderwege entdeckt, meist allein hat er Österreich und Deutschland in vielen Kilometern und Höhenmeter erwandert.

An Hans Tomandl als Hüttenbauer: Sieben Jahre nach Sektionsgründung wurde es immer schwieriger eine Unterkunft für eine Gruppe in den Bergen zu finden. Es war wohl seine waghalsigste Entscheidung als Vorstand von dem geringen Vereinsvermögen ein Grundstück im Sudelfeldgebiet zu kaufen und mit dem Bau der Kelheimer Hütte zu beginnen. Er hatte zum Glück nicht nur mutige Kameraden, die hinter der Entscheidung standen, sondern die ihn auch in den darauffolgenden Jahren voll unterstützten und nahezu an jedem freien Tag mit ihm die Fahrt zum Sudelfeld aufnahmen, kräftig mit anpackten und eine tolle Hütte entstehen ließen, die vier Jahre nach Baubeginn eingeweiht werden konnte. Heute ist die Hütte immer noch das Vorzeigeobjekt des Vereins, das von den Mitgliedern gerne besucht wird. Beim 35-jährigen Bestehen der Hütte hat der Landkreis Kelheim seinen Einsatz mit der goldenen Verdienstmedaille gewürdigt.

An HansTomandl = Kelheimer Alpenverein = Kelheimer Hütte = 100 Jahre

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